Was Unternehmen von Zalandos Umgang mit Feedback lernen können

Was Unternehmen von Zalandos Umgang mit Feedback lernen können

Die Schlagzeilen der vergangenen Woche haben wir mit Spannung verfolgt: Feedbackkultur ist in aller Munde, täglich wird seit dem „Zalando-Skandal“ ein Interview zum Sinn oder Schaden von gegenseitigem Feedback in Unternehmen publiziert.

Bei Zalandos Feedback-Instrument Zonar geht es darum, dass neben den Vorgesetzten auch Kollegen die Mitarbeiterbewertung vornehmen und eine ergänzende Selbstbeurteilung abgegeben wird. Auf Basis dieses 360-Grad-Feedbacks wird dann ein Leistungsbericht von einem Komitee bestehend aus Führungskräften erstellt, welcher sich abstuft in top, good und low performance. Aufbauend hierauf wird z.B. eine potenzielle Gehaltserhöhung oder Beförderung empfohlen, so sehen wir es diese Tage in verschiedenen Artikeln und in den ZDFheute Nachrichten aus der letzten Woche.

Link zu dem ZDF Beitrag: https://www.youtube.com/watch?v=X4uKk1AAy9A

Wir sind nah dran an diesem Themengebiet, denn die easypraise GmbH beschäftigt sich mit der Entwicklung und dem Einsatz eines Feedbackinstrumentes. Die easypraise App ermöglicht Menschen in Organisationen ein gegenseitiges Feedback, mit dem Ziel, dass Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen wertschätzende Rückmeldung erhalten. Die Feedback-Aufgabe wird von den Schultern des Vorgesetzten bewusst auf alle verteilt, um die Zusammenarbeit in Teams zu stärken und persönliches Wachstum zu unterstützen.

Nun ist Feedback ein sehr breiter Begriff und die Verwendung von Personal- und Kommunikationsinstrumenten in Unternehmen vielseitig gestaltbar. Wir möchten daher in den folgenden Blog-Beiträgen die wichtigsten Fragen aufgreifen und widmen uns in unserem ersten Beitrag folgender Diskussion:

Was Unternehmen tun können um Feedback richtig einzusetzen

Zalando wurde dafür kritisiert, dass die Feedback Software bei den Mitarbeitern ein Überwachungs- und Kontrollempfinden auslöst. Wer nicht mitspielt, kommt auch nicht für Gehaltserhöhungen in Betracht, so fasst es Prof. Philipp Staab in seiner Studie aus September 2019 zusammen. Auch der Arbeitsrechtler Peter Wedde berichtet im ZDFheute Interview von der Gefahr mangelnder Transparenz und fragwürdiger Freiwilligkeit im Einsatzbereich von Zalando.

Ein Interview im PodCast der Gründerszene vom 26.11.2019 mit Prof. Dr. Simon Werther berichtet sehr nachvollziehbar, dass Feedback sogar schadet, wenn es Sanktionierungen nach sich zieht. Im Umkehrschluss braucht es positive Assoziationen und Erfolgserlebnisse.

Prof. Dr. Werther sprach im Interview auch davon, dass ein gelungener Feedbackprozess in mehrere Quellen eingebettet sein muss. Eine digitale Lösung zum Austausch von Feedback kann dabei unterstützen, damit Feedback regelmäßiger und situationsbezogen ausgetauscht wird. Im heutigen Arbeitsalltag kommt Feedback schlichtweg zu kurz, so bestätigen uns wissenschaftliche Studien wie der GALLUP Engagement Index jedes Jahr aufs Neue. Führungskräfte können der gestiegenen Erwartungshaltung an Rückmeldung nicht mehr nachkommen, so dass in unseren Augen alles dafür spricht, diese Aufgabe auch dem Team zu überlassen. Das persönliche Gespräch wird dadurch nicht ersetzt, sondern bestenfalls ergänzt.

Feedback braucht keine Sanktionierung, sondern Positiverlebnisse

Wir nehmen in den aktuellen Diskussionen wahr, dass die Akzeptanz nicht an der Kollegen-Rückmeldung per se, sondern an den verknüpften Bedingungen und Konsequenzen hängt. Bei easypraise betrachten wir eine Beurteilung fachlicher Leistungen unter Kollegen ebenfalls kritisch, da genau hier der Nutzen von Feedback versickert. Es stellt sich die Frage nach der zuverlässigen Einschätzbarkeit fachlicher Fähigkeiten, aber vielmehr auch der Konkurrenzgedanke unter Kollegen, die auf monetäre Ziele hinarbeiten oder gar negative Konsequenzen befürchten müssen.

Wir bei easypraise verfolgen das Ziel, Feedback als Chance zur persönlichen Entwicklung zu nutzen. Deshalb geht das Feedback nicht etwa direkt an den Chef, sondern nur an den Feedbackempfänger. Jeder Benutzer hat die Möglichkeit, erhaltene Feedbacks einzusehen, mit dem Absender in den Dialog zu treten und mithilfe der App persönliche Entwicklungsstatistiken zu erhalten. Führungskräfte erhalten Daten lediglich auf Team-Ebene aggregiert, um z.B. die Aktivität der Nutzung oder die Gesamtstimmung im Team mitzubekommen. Unsere Vision ist es, Feedback als wertvolles und sinnvolles Instrument zu nutzen und die easypraise App als persönliches Coaching Tool zur Hilfe zu nehmen.

Bild: imago / images Eibner