Weshalb wir das Bedürfnis nach Anerkennung haben – Und wie Führungskräfte ihre Mitarbeiter motivieren können

Weshalb wir das Bedürfnis nach Anerkennung haben – Und wie Führungskräfte ihre Mitarbeiter motivieren können
Photo by Florian Mock

In deutschen Unternehmen besteht ein großer Feedbackdurst. Aber weshalb brauchen wir im Berufsalltag verstärkt Feedback und Anerkennung? Hierzu möchte ich in diesem Beitrag einen tieferen Einblick in die Psychologie geben.  

Anerkennung kann als Bedürfnis auf vielfältige Weise wirksam werden 

Wenn wir von „Bedürfnissen“ und „Motivatoren“ sprechen, dann ist ersichtlich, dass wir uns im Bereich der (Arbeits-)Motivation befinden. Ich möchte an dieser Stelle auf die ERG-Theorie nach Alderfer (1969) 
zurückgreifen, da sie viele Möglichkeiten beinhaltet, wie Anerkennung als Bedürfnis wirksam werden kann und zudem an die Individualität des Menschen anknüpft. 

Laut der Theorie können die Bedürfnisse eines Menschen in drei Bedürfnisklassen unterteilt werden: Existenzbedürfnisse, Beziehungsbedürfnisse und Wachstumsbedürfnisse. Übersetzt man diese ins Englische, ergibt sich der Name der Theorie (Existence needs, Relatedness needs, Growth needs). Anerkennung als ein Beziehungsbedürfnis kann dabei auf verschiedenen Wegen wirksam werden: 

  • Frustrations-Hypothese: Ein nicht befriedigtes Bedürfnis, also Anerkennung, wird wirksam 
  • Befriedigungs-Progressions-Hypothese: Der klassische Weg, d.h. wenn ein Bedürfnis befriedigt ist, wird das hierarchisch höhere wirksam 
    Das bedeutet: Ist ein Grundbedürfnis wie ein sicherer Arbeitsplatz befriedigt, wächst mein Bedürfnis nach Anerkennung
  • Frustrations-Progressions-Hypothese: Durch ein nicht zu befriedigendes Bedürfnis wird ein höheres wirksam 
    Wird z.B. das Bedürfnis nach einem angemessenen Gehalt als Grundbedürfnis nicht befriedigt, kann das Bedürfnis nach Anerkennung wachsen 
  • Frustrations-Regressions-Hypothese: Durch ein nicht zu befriedigendes Bedürfnis wird das hierarchisch niedrigere Bedürfnis wirksam 
    Heißt: wenn es nicht möglich ist, das Bedürfnis nach persönlicher Entwicklung zu befriedigen, kann das Anerkennungsbedürfnis wirksam werden 

Was heißt das für das Feedbackgeben und Führungskräfte? 

Wer beim Lesen abgeschaltet hat und sich die Fachbegriffe öfters verzweifelt durchgelesen hat, sei ans Herz gelegt: Diese anfangs vielleicht kompliziert wirkende Motivationstheorie ist für Führungskräfte enorm wichtig. Sie zeigt nämlich, wie individuell Anerkennung bei jedem einzelnen als Bedürfnis zustande kommen kann. Führungskräfte sollten hierauf besonders achten.  

Alle wollen wissen, wie man Mitarbeiter motiviert. Der erste Schritt hierzu beginnt dabei, überhaupt erst einmal den Blick für die Bedürfnisse der Mitarbeiter zu bekommen. Und das ist gar nicht so einfach. Aber es lohnt sich, sich hierauf einzulassen: Motivierte Mitarbeiter, die regelmäßig Anerkennung zum richtigen Zeitpunkt bekommen, sind leistungsfähiger und können besser an das Unternehmen gebunden werden. Anerkennung ist so wichtig.